Holzgas, Hobo, Rocketstove

Effiziente, kleine Kocher aus Dosen selber bauen

Wir sind gerne draußen unterwegs - vor allem dann, wenn es zwischendurch was Leckeres zu essen gibt. Mit unseren kleinen, selber gebauten Dosen-Kochern können wir uns auch was Warmes zubereiten - eine handvoll trockene Ästchen vom Waldboden reicht dabei für ein Essen für zwei.

Dosen-Kocher vs. offenes Feuer

Für uns haben Dosen-Kocher im Vergleich zum offenen Feuer folgende Vorteile: 

1) Es ist deutlich effizienter. Wir kochen öfter auch mal auf offenem Feuer, dann aber meist für größere Gruppen, z.B. bei unseren Workshops - dabei braucht es, selbst für kleine Gerichte, einiges an - gutem, großen - Holz. Mit unserem kleinen Holzgas-Kocher brauchen wir hingegen gerade mal eine kleine handvoll dürrer Äste, die es in jedem noch so kleinen Waldstückchen in Massen zu finden gibt. Übrig bleibt lediglich weißgraue Asche und keinerlei Kohlen - auch das zeigt, wie gut das aufgelegte Holz genutzt wird.

2) Es ist viel (!) schneller. Während man mit einem offenen Feuer eine ganze Weile im Voraus planen muss, weil es einfach seine Zeit dauert, bis man eine vernünftige Glut hat, auf der es sich gut kochen lässt, können wir den Holzgas-Kocher praktisch sofort nutzen. Die Hitze im Kocher wird durch die Umhüllung aus Dose konzentriert. Dazu kommt, dass wir nicht lange warten müssen, bis das Feuer wieder runtergebrannt ist oder dass wir es gar löschen müssten... innerhalb weniger Minuten nach dem letzten Holzauflegen ist das Feuer runtergebrannt und kurze Zeit später auch die Dose wieder abgekühlt.

3) Es ist sicherer. Gerade in Jahren wie 2018, wo es vielerorts viel (!) zu wenig regnet und der Boden die meiste Zeit ausgetrocknet ist, ist das ein wichtiger Punkt. Aus unseren Dosen-Kochern gibt es für Funken so gut wie kein Entkommen. Und wie bereits erwähnt, bleibt keine Glut übrig sondern lediglich zügig abgekühlte Asche, sodass es auch nach dem Kochen weniger Brandgefahr gibt als bei offenem Feuer.


Unsere Varianten

Es gibt verschiedenste Varianten für Öfen aus Dosen, von „unten und oben ein Loch“ bis hin zu komplexeren Varianten mit nach oben versetzten Böden, aus einem Stück oder aus verschiedensten Teilen, mehreren Dosen, Gittern - wir haben drei verschiedene Varianten gebaut und getestet: 

  • Hoboofen: Unsere ersten selber gebauten Dosen-Kocher waren ziemlich groß und ganz simpel aus einer einzigen, großen Dose gebaut. Perfekt, wenn einem eine einfache Lösung reicht, jedoch leider auch sehr unhandlich und ineffizient.
  • Rocketstove: Unsere zweite Variante, die wir parallel bauten, bestand aus einer sehr großen Dose und einer etwas kleineren Dose und war zwischen beiden mit Kies aufgefüllt. Das war super, weil die Wärme sehr lange - erstaunlich lange! - gehalten wurde, jedoch noch unhandlicher und so schwer, dass wir sie natürlich nirgends hinnehmen konnten. Wunderbar geeignet ist dieser Ofen jedoch für Balkon, Terrasse und ähnliches.
  • Holzgas-Kocher: Unsere dritte Variante kam erst einige Monate später dazu und begeistert uns noch immer: zwei relativ kleine Dosen, geschickt ineinander platziert und so konstruiert, dass - sichtbar! - auch das HolzGAS verbrennt und damit für die Hitze genutzt wird. Diese Variante ist handlich, leicht und so effizient, dass es weniger als eine handvoll dünner, trockener Äste braucht, um eine kleine Mahlzeit für zwei zu kochen / aufzuwärmen.


   

   

Einen Holzgas-Kocher aus Dosen selber bauen

Benötigt werden

  • eine größere Konservendose (ca. 15-20 cm hoch, im Durchmesser ca. 10 cm)
    Diese Dose sollte keinen Aufreißdeckel haben und mit einem seitenschneidenden Dosenöffner geöffnet worden sein, der die Dosen unmittelbar unterhalb der Bördelkante von der Seite her auf schneidet, sodass ein sauberer Schnitt entsteht. Der Deckel wird beim Bau mitverwendet!
  • eine kleinere Konservendose (2-4 cm niedriger und ca. 2 cm schmäler als die große Dose)
    Ob Aufreißdeckel oder nicht ist hier egal. Der Deckel wird nicht mitverwendet.
  • Metallbohrer (6 - 10 mm Durchmesser)
  • Blechschere
  • (Taschen)Messer

ACHTUNG: Die Schnittgefahr beim Arbeiten mit Blech ist nicht zu unterschätzen! Bei manchen Arbeitsschritten sind Arbeitshandschuhe zu empfehlen.


Der Aufbau ist grob so: in die große Dose kommen unten große Luftlöcher. In die kleine Dose kommen unten Luft- und Aschelöcher und oben ein Ring zusätzlicher Luftlöcher. Die kleine Dose wird in den Deckel der großen Dose eingepasst. Der Deckel mit der eingepassten kleinen Dose wird auf die große Dose gesetzt.

Detailliertere Anleitung:

1. Den Einsatz bauen

    • In den abgetrennten Deckel der großen Dose schneide ich mittig ein Loch, das ringsum ca. 1 cm kleiner ist, als der Durchmesser der kleinen Dose.
    • Den zusätzlichen Zentimeter schneide ich zu kleinen Laschen ein, die ich leicht nach unten biege.

2. Die innere Dose vorbereiten

    • Etwa 1 cm unter dem oberen Rand bohre ich mit einem Messer eine Reihe Löcher für die Sekundärluft.
    • Über dem unteren Rand bohre ich zwei bis drei Reihen Löcher für die Primärluft.
    • Der Boden bekommt auch eine Menge Löcher als Luftzufuhr und damit die Asche herunter fallen kann.
    • Die kleine Dose wird von oben in den Einsatz gesteckt, bis der Rand der kleinen Dose an der Öffnung hängen bleibt. Das alles sollte so dicht wie möglich sitzen!
    • TIPP: Zum Einsetzen der Dose setze ich den Deckel auf die große Dose und drücke die kleine dann von oben hinein. Hierbei ziehe ich Handschuhe an, denn wenn ich abrutsche... – ist mir schon passiert!

Im Bild sieht man die innere Dose, wie sie in den Einsatz gesteckt ist.


3. Die äußere Dose vorbereiten

    • Ganz unten schneide ich Öffnungen für die Frischluftzufuhr in die Dosenwand.
    • Ich schneide die Wand dazu rechteckig ein, lasse aber die obere Kante stehen, sodass man das Blech wie eine Lasche nach innen biegen kann.
    • Ich achte dabei darauf, dass der obere Rand der Öffnungen etwa dort ist, wo die Innere Dose aufhört.
    • Ich biege die Laschen dieser Öffnungen so weit nach oben, dass sie die inner Dose später wie Federn seitlich festklemmen. Dadurch wird der Abstand zwischen den zwei Wänden eingehalten und die innere Dose stabilisiert.


4. Einen Aufsatz für Topf / Pfanne bauen

Nun ist es wichtig, dass die Luft, die unten hinein geht auch oben wieder hinaus kann - auch wenn ein Topf oder eine Pfanne drauf gestellt werden.

Hierfür haben wir einen dicken Draht so gebogen, dass etwas Abstand zwischen Dose und Topf / Pfanne entsteht. 

Der Aufsatz wird auf den Einsatz gesetzt, der sich zwischen der inneren und äußeren Dose befindet.


Brennmaterialien für den Dosen-Kocher

Wie bereits erwähnt, kommen die effizienten kleinen Kocher mit sehr wenig Brennmaterial aus. Als perfekt geeignet hat sich am Waldboden liegendes, trockenes Astholz erwiesen. Dabei ist darauf zu achten, dass solches Totholz wichtig für das Ökosystem Wald und seine Bewohner ist und deshalb nur dort entnommen werden sollte, wo es in großem Umfang vorhanden ist.

Auch Reisig, Zapfen, Karton und Papier eignen sich zum Verbrennen im Dosenofen. Typische, große Holzscheite sind eher ungeeignet, da sie je nach Größe oftmals bereich den kompletten Holzzufuhrbereich blockieren - klein gehackt sind sie aber ebenso brauchbar wie Äste.

Kocher mit geschlossenem Boden oder einem entsprechenden Einsatz können auch mit Flüssigbrennstoffen betrieben werden.


Offenes Feuer und Brandschutz

Wie bereits erwähnt, ist das Feuer in Dosenkochern deutlich weniger gefährlich für die Umgebung als ein offenes  Feuer. Unserer Recherche nach zählt aber auch das Feuer in der Dose als "offenes Feuer". Dafür sind die örtlichen Bestimmungen zu beachten. Üblicherweise ist ein Abstand zum Wald von mindestens 100 Metern vorgeschrieben.

Insbesondere sollte darauf geachtet werden, dass der Untergrund gegen Versengen geschützt und Verbrennungsrückstände (Asche, Ruß) spurlos beseitigt werden.

27.02.2019
Nadine & Stefan